Fisheye als Weitwinkel?

Die Standard-Kit-Objektive, die mit den DSLRs mitgeliefert werden, haben als kürzeste Brennweite oft die 18 mm. Bei den Crop-Kameras entspricht das dann einer Brennweite von 27 mm. Wenn man jetzt in die Situation kommt auch einmal Bilder aufnehmen zu wollen, wo diese Brennweite immer noch zu lang ist, gibt es nun zwei grundsätzliche Möglichkeiten:

  1. Ein Weitwinkelobjektiv verwenden
  2. Mit einer Software mehrere Bilder zu einem Foto zusammensetzen.

Diese beiden Vorgehen haben natürlich auch ihre Vor- und Nachteile. So sind Weitwinkelobjektive relativ teuer. Dafür kann man mit einem einzigen Foto die gesamte Szene aufnehmen. Macht man hingegen mehrere Fotos und setzt sie hinterher mit einer Panoramasoftware zusammen, ist der Aufwand zur Erstellung der Bilder deutlich größer und die Anwendung auf unbewegte Objekte beschränkt (natürlich ist es auch möglich bewegte Szenen aufzunehmen, aber da muss extrem viel beachtet werden, bzw. zusammen passen). Als positiver Effekt ist hingegen festzuhalten, dass man Bilder mit deutlich höherer Auflösung gewinnt, als bei einer Einzelaufnahme.

Nun möchte ich hier eine weiter Möglichkeit vorstellen: Die Verwendung eines Fisheye-Objektives. Besitzt man ein Fisheye-Objektiv kann, mit gewissen Einschränkungen, auch ein solches Objektiv für Weitwinkelaufnahmen verwendet werden. Für die nachfolgenden Beispiele kam ein Samyang 8mm zum Einsatz (erhältlich z.B. auch unter dem Firmennamen Walimex). Das Objektiv ist vergleichsweise preisgünstig und eignet sich aufgrund des großen Sichtfeldes auch prima zur Erstellung von 360°-Panoramen.

Ein Fisheye erzeugt Flächengetreue Bilder, die aufgrund der Konstruktion allerdings verzerrt abgebildet werden. Bis auf die horizontale und vertikale Linie durch den Bildmittelpunkt, sind alle Linien gebogen. Fisheye an einer Crop-Kamera

Vergleichen wir die selbe Szene bei unterschiedlichen Brennweiten:

18mm:

35mm:

50 mm:

Was passiert eigentlich, je länger die Brennweite wird? Es wird immer ein Ausschnitt aus dem Bild mit der kürzeren Brennweite abgebildet. Da neue Bild hat die gleiche Auflösung wie das vorhergehende. Man kann somit auch aus dem 18mm-Bild den Ausschnitt des 50mm-Bildes ausschneiden, verliert aber dementsprechend auch an Auflösung.

Wenn man diese Erkenntnis nutzt, lässt sie sich mit dem Fisheye nutzen. Der erste Schritt muss natürlich darin bestehen erst einmal eine Abbildung mit senkrechten und waagerechten Linien zu erhalten. Ich benutze Lightroom und in dieser Software gibt es eine Objektivkorrektur, die  genau für diesen Zweck geeignet ist. Ich habe mir mit der Software von Adobe für das Samyang 8mm eine entsprechende Objektivkorrektur erstellt und damit das nachfolgende Bild erhalten:

Man sieht, dass die typischen Verzerrungen für des Fisheyes fast komplett verschwunden sind. aus diesem Bild kann man jetzt die Weitwinkelaufnahme herausschneiden, die man benötigt. Nachfolgend habe ich den Ausschnitt für ein 18mm-Weitwinkel aus dem korrigierten Fisheye-Bild dem Bild mit dem 18mm-Objektiv gegenbüber gestellt:

18mm-Crop aus Fisheye:

18mm-Objektiv:

Man sieht doch erstaunlich wenig Unterschiede! (Die Aufnahmen sind Langzeitbelichtungen, da mir bei der Aufnahme mit den Fisheye ein Fahrradfahrer entgegen gekommen ist, ist dort diese “Lichtlinie” zu sehen.) Der angesprochende Punkt mit der Auflösung des Bildes, sorgt dafür, dass das Bild mit dem 18mm-Weitwinkel eine Auflösung von 16 MPixel hat, hingegen der Crop aus dem Fisheye nur 2 MP. Das reicht allerdings immer noch für Ausdrucke in 15×10 cm.

FAZIT: Für mich bleibt festzuhalten, dass der Einsatz eines Fisheye-Objektives für Fotos mit Weitwinkel grundsätzlich geeignet sind. Jeder muss jetzt selbst für sich entscheiden, ob ihm das Ergebnis mit verringerter Auflösung ausreicht oder nicht. Ich denke jedenfalls momentan nicht über ein Weitwinkelobjektiv nach.

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